7.11.02 – Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein ist gestorben

Rudolf Augstein ist gestorben
Der «Spiegel»-Herausgeber prägend für das politische Deutschland
Rudolf Augstein, Gründer und Herausgeber des Hamburger Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» ist am Donnerstag zwei Tage nach seinem 79. Geburtstag an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Das teilte der Spiegel-Verlag mit.
 
(sda) Augstein war einer der einflussreichsten Journalisten im Nachkriegs-Deutschland. Er hatte das Nachrichtenmagazin erstmals am 4. Januar 1947 herausgegeben. Er verstand das Blatt in den 50er und 60er Jahren als «Sturmgeschütz der Demokratie», indem es innenpolitische Skandale aufdeckte. Bis ins hohe Alter bezog der streitbare Publizist selbst Stellung zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen.

Anerkennung durch alle politischen Lager
Augsteins Tod hat über die politischen Grenzen hinweg Trauer ausgelöst. Der deutsche Bundespräsident Johannes Rau würdigte Augstein als «einen der ganz grossen, vielleicht den grössten unter den Publizisten der Bundesrepublik». Augstein habe die deutsche Politik mitgestaltet, erklärte Rau am Donnerstag. Bundeskanzler Schröder würdigte den Verleger als einen der bedeutendsten publizistischen Wegbereiter unseres Landes. «Deutschland verliert mit ihm einen der ganz Grossen seines Geisteslebens», sagte Schröder am Donnerstag in Berlin.

Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel sagte: «Rudolf Augstein hat durch seine Arbeit als streitbarer Publizist immer wieder kritisch Stellung genommen zu den Entwicklungen in Deutschland – für viele, auch für die Union, war dies nicht immer einfach und schmerzlos, aber ohne ihn und den ‚Spiegel‘ wäre vieles in Deutschland nie gesagt oder geschrieben geworden.»

Unverwechselbarer Stil
Der deutsche Aussenminister Fischer erklärte, die Bundesrepublik habe «die grosse Gründerfigur des deutschen Nachkriegsjournalismus» verloren. Augstein habe Generationen von Journalisten geprägt. «Sein Stil war unverwechselbar, seine politische Beobachtungsgabe brillant, sein Urteil scharf und unnachsichtig.»

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle erinnerte daran, dass Augstein bis zum Tod den Liberalen angehört habe. Mit dem «Spiegel»-Herausgeber gehe ein «grosser Publizist und ein Liberaler im Herzen und im Geiste von uns», schrieb Westerwelle in Berlin.