23.1.06 – Vor 20 Jahren: Joseph Beuys gestorben

Zum Künstler wird Joseph Beuys aus Kleve nach einem Flugzeugabsturz auf der Krim. Tartaren ziehen den schwer verletzten Stuka-Flieger nach eigenen Angaben 1942 aus der Maschine, salben ihn mit Talg und umhüllen seinen Körper mit wärmendem Filz. Später wird Beuys seine Rettung das erste "Happening" seines Lebens nennen. Von nun an werden Fett und Filz als Lebensspender zu Beuys‘ bevorzugten Materialien. Dem Absturz verdankt der Künstler, der nach dem Krieg in Düsseldorf Malerei und Bildhauerei bei Ewald Mataré studiert, auch den berühmten Hut als Markenzeichen: Er soll die eingepflanzte Silberplatte in der Schädeldecke verbergen.

Seine Kunstwerke und Aktionen setzt Beuys bewusst gegen die Rationalität der Welt. Ein Mysterium sollen sie dem Betrachter bleiben, ebenso wie seine Rettung ein Mysterium war. Ein Großteil der Öffentlichkeit reagiert befremdet und bestenfalls belustigt, wenn Beuys Fettecken an Museumsdecken schmiert, eine " Honigpumpe" kreiert, Frankfurter Würstchen mit brauner Farbe überzieht. Dies ist auch der Fall, als ein " Filzflügel " des Künstlers in den achtziger Jahren mit umgerechnet 150.000 Euro gehandelt wird. Als die Meldung von einer Putzfrau durch die Gazetten geistert, die eine Beuys’sche Badewanne im Museum von ihren "Schmutzrändern" gereinigt habe, reagieren die meisten Deutschen mit Verständnis.

Trotzdem: Beuys glaubt an die kreative Kraft von Jedermann. "Jeder Mensch ist ein Künstler", lautet sein Credo. Und jeder Mensch muss seine Kreativität politisch einsetzen. Beuys selbst lebt das vor. Aus Protest besetzt er mit abgewiesenen Studienbewerbern das Sekretariat der Düsseldorfer Kunstakademie, wo er seit 1961 als Professor lehrt, und riskiert die Kündigung. Bei der ARD-Ulk-Musik-Show "Bananas" schmettert er 1982 eher unbeholfen den Politsong "Wir wollen Sonne statt Reagan" ins Mikrophon. Zu dieser Zeit engagiert sich Beuys bereits für die Grünen und stellt seine Werke ganz in den Dienst eines ökologischen Gleichgewichts der Natur. Sein Projekt "Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung" zur siebten "documenta" in Kassel 1982 stellt 7.000 Basaltstelen mitten ins Stadtzentrum: Für jeden verkauften Steinklotz will Beuys eine Eiche pflanzen, verteilt über das ganze Stadtgebiet. "7.000 Eichen" nennt er diese mit rund 2,2 Millionen Euro teuerste und folgenreichste, zudem aus der eigenen Tasche finazierte Aktion seiner Karriere. Auch Eschen, Linden, Platanen, Robinien, Kastanien, Ahorne und ein Gingko werden gepflanzt.

Beuys stirbt am 23. Januar 1986 in Düsseldorf. Seine "7.000 Eichen", zunächst von der Stadt angefeindet und ihren Bewohnern bespöttelt, haben es da längst geschafft, als politische Kunst akzeptiert zu werden. Als ein Zirkus 1999 drei Äste der "Ur-Eiche" vor dem Kasseler Fridericianum absägen lässt, geht ein Aufschrei des Entsetzens durch die Zeitungslandschaft. Alle Parteien protestieren.