|
L'epitaphe Villon Freres humains qui après nous vivez, N'ayez les cuers contre nous endurcis, Car, se pitié de nous povres avez, Dieu en aura plus tost de vous mercis. Vous nous voiez cy attachez cinq, six: Quant de la chair, que trop avons nourrie, Elle est pieça devorée et pourrie, Et nous, les os, devenons cendre et pouldre. De nostre mal personne ne s'en rie; Mais priez Dieu que tous nous vueille absouldre! Se freres vous clamons, pas n'en devez Avoir desdaing, quoy que fusmes occis Par justice. Toutesfois, vous sçavez Que tous hommes , n‘ont pas bon sens rassi; Excusez nous, puis que sommes transsis, Envers le fils de la Vierge Marie, Que sa grace ne soit pour nous tarie, Nous preservant de l‘ifernale fouldre. Nous sommes mors, ame ne nous harie; Mais prie Dieu que tous nous vueille absouldre! François Villon Ballade von den Gehenkten Ihr Menschenbrüder, die ihr nach uns lebt, verhärtet euer Herz nicht gegen unsre Pein. Denn wenn erbarmend ihr den Blick zu uns erhebt, wird Gott euch desto eher gnädig sein. Hier seht ihr uns gehenkt, zu sechst und siebt, und unser Fleisch, zu wohlgenährt, zu sehr geliebt, ist längst verfault, verwest und abgefallen schon. Zu Staub und Asche modert unser dürr Gebein. Drum spottet unser nicht, spart euern Hohn und bittet Gott, er möge uns verzeihn. Wenn wir euch Brüder heißen, zürnt uns bitte nicht. Ihr seht im Wind uns baumeln hier am Hochgericht. So wisset denn: es traf uns der verdiente Lohn. Gedenkt, nicht jeder kann gesetzten Sinnes sein. Legt Fürbitt ein für uns bei Gottes hehrem Sohn, daß seine Huld und Gnade uns nicht sei verloren und uns bewahre vor des Höllenpfuhles Pein. Tot sind wir, und die Toten läßt man ungeschoren. Doch bittet Gott, er möge uns verzeihn. Übertragung: Walter Widmer |